Diese
Ausstellung bietet zum ersten Mal in Deutschland die Gelegenheit in großem
Umfang Kunst zu sehen, die seit ihrem Bekanntwerden in der Mitte des 19.
Jahrhunderts das Kunst interessierte Publikum Europas fasziniert und in
Staunen versetzt hat. Der Name Angkor steht seither für geheimnisvolle,
unüberschaubar ausgedehnte Tempelanlagen im Dschungel Kambodschas, die
auch heute noch eine Vorstellung von ihrer einstigen Pracht geben können.
Angkor
war der Höhepunkt einer Zivilisation, die sich in den ersten
Jahrhunderten n. Chr. zu entwickeln begann. Aus dem 6. Jahrhundert sind
die ersten buddhistischen und brahmanischen (hinduistischen) Kunstwerke
überliefert.
Der
Aufstieg des Khmer- Reiches in Angkor, am Nordrand des Tonle Sap, begann
im 9. Jahrhundert. Auf der Höhe ihrer Macht beherrschten die Khmer das
gesamte Gebiet des heutigen Kambodscha, Süd-Vietnam, Laos und die
zentrale Ebene des Chao Phraya in Thailand. Sie waren eines der größten
und mächtigsten Völker Asiens. Die Bedeutung des Khmer-Reiches
manifestierte sich bis in das 13. Jahrhundert hinein in einer Reihe von
gigantischen Tempeln, von denen der Angkor Wat als das größte sakrale
Bauwerk der Erde gilt.
Welcher
Geist steht hinter den überwältigenden Tempelanlagen, welchen
Gottheiten waren sie geweiht, auf Grund welcher sozialen und ökonomischen
Struktur konnten sie errichtet werden? Wie sah die Gesellschaft aus, die
derartige Leistungen zu vollbringen im Stande war? Welches Selbstverständnis
hatten ihre Könige? Dies sind Fragen die sich jeder stellt, der das
alte Kambodscha kennen lernen möchte. Hier setzt die Ausstellung an.
Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, sich einen Überblick über die
Vielfalt der Kunst zu verschaffen, sondern greift auch die wichtigsten
kulturgeschichtlichen Themen auf, so dass die Besucher eine Vorstellung
vom historischen, sozialen und religiösen Kontext der Werke bekommen.
Fast
140 Steinplastiken, Bronzefiguren und Holzskulpturen sowie
Silberarbeiten und Malereien werden aus dem Nationalmuseum in Phnom Penh
nach Bonn kommen. Zuzüglich leihen das Indische Museum in Berlin und
das Musée National des Arts Asiatiques Guimet in Paris Objekte aus. Die
Ausstellung liefert einen einzigartigen Überblick über die Kultur
Kambodschas, beginnend im 6. Jahrhundert mit Steinskulpturen aus den
vorangkorianischen Königreichen Funan und Zhenla. Das zentrale Thema
ist jedoch die Kunst und Architektur der Angkor-Periode (9.-13. Jh.).
Dabei werden auch Fragen der Wasserwirtschaft, des Reisanbaus und der
Handelsbeziehungen erörtert, da sie die Grundlage für den außerordentlichen
Reichtum des Landes bildeten.